Viele Hersteller von Wärmebildkameras bauen auch Akustikkameras für die Schallvisualisierung, manchmal auch Schallkameras genannt, teils kombiniert mit Wärmebild- oder OGI-Funktion. Ein Mikrofonarray ortet die Schallquelle und legt sie als farbige Fläche über das Kamerabild. In der Industrie sind sie hervorragend, um Druckluft-, Gas- oder Vakuumlecks zu finden.
Anders als die sehr teuren OGI-Kameras gibt es Akustikkameras schon ab rund 1000 Franken. Kein Wunder, dass findige Leckorter sich fragen: Warum damit nicht auch gleich Lecks an verdeckten Wasserleitungen orten? Das funktioniert nicht, und zwar aus zwei Gründen.
Das Leck ist für die Kamera zu leise
Eine Akustikkamera ist auf laute Quellen ausgelegt, und ein Druckluftleck ist genau das: Die turbulente Strömung erzeugt ein kräftiges, breitbandiges Luftschallsignal. Das verdeckte Wasserleck erzeugt dagegen Körperschall im Bauteil, von dem an der Bauteiloberfläche kaum Luftschall abgestrahlt wird. Das Geräusch ist so leise, dass es sich oft erst mit Verstärkung hören lässt, für die Kamera bleibt zu wenig, um es von den Umgebungsgeräuschen zu trennen.
Und es liegt im falschen Frequenzbereich
Industrie-Akustikkameras messen konstruktionsbedingt erst ab rund 2000 Hz, bis hinauf in den Ultraschall. Das Leckgeräusch einer Wasserleitung liegt aber überwiegend tiefer, bei Metallrohren oft im Bereich von 500 bis 1500 Hz, bei Kunststoffrohren noch darunter, abhängig von Druck, Leckgrösse und Baustoffen. Die Kamera ist also gerade dort schwach, wo das Wasserleck seinen Schall erzeugt.
Aus beiden Gründen arbeiten die etablierten Verfahren umgekehrt: Ein Horchgerät mit Mikrofonsonde, an Wand oder Boden angesetzt, nimmt den Körperschall direkt auf. Es greift den Schall dort ab, wo er sich ausbreitet, im Bauteil, nicht in der Luft.
Wenn die Akustikkamera doch das richtige Werkzeug ist
Wer dagegen Schallübertragungen im Bau orten will, etwa Strömungsgeräusche der Lüftung, für den gibt es einen interessanten Ansatz. Manche Kameras sind eigens für die Bauakustik gebaut und erfassen, anders als die Industrie-Handkamera, den ganzen hörbaren Bereich, auch die tiefen Frequenzen, und lösen deutlich feiner auf, wie z. B. die von Seven Bel, die schon ab 125 Hz messen.
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